Der Menschen bester Freund
Ich bin so klein, so unscheinbar,
mal euch gern ein graues Haar,
bin immer da, stets bei euch,
nie von deiner Seite fleuch.
Halt deine Hand und merkst es nicht,
zeichne doch Falten dir ins Gesicht.
Kenne dein Leben, deine Trauer -
auch wenn du um dich baust die Mauer.
Bin der Menschen bester GefÀhrte,
manch einer mich doch sehr begehrte.
Der eine frĂŒher, der andere spĂ€t.
Die Zeit, sie bringt's, doch sie's nie verrÀt.
Ja, die Zeit, mein liebster Untertan.
Bringt euch oftmals zu mir an.
Doch meist seid ihr es selber -
schlachtet euch wie LĂ€mmer und KĂ€lber.
Schicksal - dies ist auch ein Assistent.
Ob ihr wohl meinen Namen kennt?
Nein - dringt's dir in den Sinn,
doch bin ich manchmal Hauptgewinn.
Ja, ein Sechser im Spiel vom GlĂŒck.
Wenn dich das Leben zu Boden drĂŒckt,
erklingt von dir die Sehnsuchtsmelodie -
so schön und klangvoll wie noch nie.
Ich hör dir zu, halt deine Hand,
doch bleibe ich stets unerkannt.
Du hast Angst - allein vorm Wort,
gabst es mir doch selbst an jenem Ort.
Lachst mich aus und greifst mich an,
bin fĂŒr dich nur ein Knochenmann
mit scharfer Sense in der Hand,
wandle in deinen Augen so durchs Land.
Doch lass dir gesagt sein: âSo bin ich nicht!â
Hab doch wie jeder ein normales Gesicht.
Trete stets auf mit neuer Miene.
Niemand weiĂ, wem ich denn diene.
Im Antlitz einer schönen Frau
oder als Nachbar - wer weiĂ das genau.
Als Kind, das mit dem Feuer spielt
oder als Chirurg, der dir was stiehlt.
Ein Arzt bin ich, so könnt' man sagen.
Heil' ich doch die Welt von Plagen.
Unterscheide nie ob gut oder bös'.
Halt dich im Arm, wenn ich dich erlös'.
Ich komme ,bin nicht aufzuhalten.
Hol' Kinder und besonders gern die Alten.
KĂŒss die Lippen der Verfluchten,
die niemals ihren Frieden suchten.
©SylviaK. alias ChastityWolf