Blutregen

Gefühle | Sonstiges

Ein Knistern und Knacken dringt an mein Ohr
Schau zum Firmament empor
Zerrissene Decke
Kratzer an jeder Ecke
Ein Ächzen über mir
Wie das Stöhnen eines wilden Tier'

Kurze Stille.
Dann der Bruch.

Die Fragmente prasseln nieder
Immer und immer wieder
Schneiden in mein Fleisch
Sind so glühend heiß
Doch statt den Schmerzen der Glut
Spür ich nur Wut

Und plötzlich.
Der Regen.

Erst ein Tropfen auf meinem Gesicht
Wie ein ungeheures Gewicht
Hinterlässt eine Spur,
Malt eine Figur
Streicht dabei zärtlich über die Haut
Wie ein Bräutigam seiner Braut

Augen offen.
Zum gebrochenen Himmel empor.

Unter den ganzen Scherben
Kommen rote Tränen hervor
Glänzend wie Seide
Langsam fallend
Die Erlösung verkündend
Beruhigend wirkend
Auf mein aufgewühltes Gemüt

Der Blutregen.
Er ist da.

Steh mittendrin.
Keine Gefahr.

Armer Mann mit viel Geschrei

Armer Mann mit viel Geschrei

Ich sitz im Eck und halt die Schnauze,
starr nur stur auf einen Fleck.
Der Alte hat’s mir voll gegeben,
fühl mich wie der letzte Dreck.
Hass und Wut regiern die Sinne,
bin nicht fähig was zu sagen.
Will nur endlich aus mir rausgehn,
möchte den Alten gern erschlagen.

Ich sitz im Eck und halt die Schnauze,
spür die Blicke der Kollegen.
Hör das flüstern ihrer Stimmen,
und sie haben meinen Segen.
Arme Kriecher, Rückgradlose,
steigen dem Alten hinten rein,
schleimend, bückend, händeküssend,
möchte nie einer von ihnen sein.

Soll ich lachen, wenn ich trauer,
soll ich weinen, wenn’s mich freut?
Warum soll ich mich verstellen?
Will nicht sein wie andre Leut.
Pass dich an und fall nicht auf,
dafür fehlt mir jeder Sinn.
Gehe gern geradeaus,
und wird so bleiben wie ich bin.

Ich sitz im Eck und halt die Schnauze,
Hass und Wut sind schnell vorbei.
Soll der Alte mich doch gern haben,
armer Mann mit viel Geschrei.
Könnt ihm jetzt kein Haar mehr krümmen,
denn er tut mir richtig leid,
zeigt er doch nur seine Schwäche,
wenn er wieder mit mir schreit.