König Wut

Märchen

Es war einmal, in einem weit entfernten Königreich, da begab es sich, dass der König der Weiden sich einem großen Missstand stellen musste. Seine einzige Tochter, die er über alles liebt, wurde von dem bösen König der Berge entführt und soll nun seinen ältesten Sohn gegen ihren Willen heiraten. Der Weidenkönig, über alle Maßen verärgert, sandte sofort seine mächtigsten und tapfersten Ritter los, um sein geliebtes Töchterlein aus den Fängen des Bergkönigs zu befreien.

Die Ritter in glänzender Rüstung, mit scharfen Schwertern, auf starken Rössern ritten unermüdlich und voller Mut los. Sie durchquerten dichte Wälder, bezwangen hohe Berge und meisterten große Gewässer. Doch als sie am das Schloss des Bergkönigs ankamen, wurden sie von seinen Rittern hinterhältig angegriffen und in einem blutrünstigen Kampf brutal besiegt und geschlachtet. Die Schlacht dauerte nur wenige Minuten, doch zu Ende des Kampfes war das gesamte Schlachtfeld überzogen mit blutigen Rüstungen und toten Rittern.
Nur ein einziger Ritter überlebte dieses Massaker, kehrte mühevoll und unter Schmerzen zum Schloss des Weidenkönigs zurück und brach noch vor den Schlossmauern vor lauter Erschöpfung zusammen und starb.

Der Weidenkönig, über diese vernichtende Niederlage äußerst verärgert, sah nur noch einen einzigen Ausweg, um seine geliebte Tochter aus der Gefangenschaft zu befreien. In der Nacht desselben Tages verließ er heimlich sein Schloss, betrat den unheimlichen Wald und bat die dort lebende arme Waldhexe um ihre magische Hilfe.
Die Waldhexe gab dem Bitten des Weidenkönigs nach und versprach ihm Hilfe. Allerdings nur unter dem Versprechen, dass der Weidenkönig, sobald er seine Tochter befreit hat, er sie heirate. Der Weidenkönig willigte sofort ein und die Waldhexe erfüllte ihr Versprechen. Sie sprach einen mächtigen schwarzen Zauber. Der Boden bebte, das Haus wackelte, der Himmel verdunkelte sich und der König begann sich zu verändern. Er wurde größer und größer, er bekam Schuppen und ihm wuchsen Flügel, Stacheln und Schwanz. Der einstige Weidenkönig verwandelte sich in einen mächtigen, angsteinflößenden, schwarzen Drachen.

Der Weidenkönig begann mit den Flügeln zu schlagen, hob sich dem Himmel empor und machte sich auf den Weg zum Schloss des Bergkönigs.
Der Weidenkönig landete auf dem Hauptschiff des Schlosses und brachte es unter seinem enormen Gewicht zum Einstürzen. Er schlug mit seinem Schwanz um sich, spie schwarzes Feuer und zerstörte das gesamte Schloss. Der Bergkönig, ebenfalls der Magie mächtig, hüllte sich in weisse Magie und verwandelte sich in einen rießigen, weissen Drachen.
Die beiden Könige griffen sich an und begannen sich gegenseitig zu bekämpfen. Der Weidenkönig spie Feuer und versengte den Bergkönig. Der Bergkönig schlug mit seinem mächtigen Schwanz um sich und warf den Weidenkönig zu Boden. Der Weidenkönig erhob sich vom Boden, packte den Bergkönig mit seinen großen Klauen und biss ihm in seinen Hals. Der Bergkönig schrie vor lauter Schmerz und aus seinem Hals rann kochendes Blut, doch der Weidenkönig biss nur noch fester zu, riss an seinem Genick und biss ihm schließlich den Kopf ab.
Der tote weisse Drache sank zu Boden und ging in den Flammen unter. Der schwarze Drache hingegen verwandelte sich zurück in den Weidenkönig und suchte nach seiner Tochter.

Doch der Weidenkönig machte eine furchtbare Entdeckung. Überall in den Trümmern des Schlosses lagen verkohlte Überreste von Zofen und Dienern des Bergkönigs, doch er erblickte etwas, dass ihm das Blut gefrieren ließ. Seine geliebte Tochter lag in zwei Hälften gerissen in schwarzen Flammen und verbrannte.
Der Weidenkönig, in all seinem Wut und seinem Zorn nahm keine Rücksicht auf die Welt um sich und dachte nicht über sein Handeln nach und so verlor er, das was ihm im Leben am wichtigsten war.
Der König, voller Trauer und Schmerz konnte dies nicht verkraften und so fasste er den Entschluss, sich sein Leid zu nehmen. Der Weidenkönig ging dort hin, wo seine Tochter verbrannte, schloss seine Augen und ließ sich in das Flammenmeer fallen und teilte somit das Schicksal seiner Tochter.

Die arme Waldhexe jedoch, wartete und wartete vergebens auf den Weidenkönig und seine Rückkehr. Er kehrte nie zurück, und so starb sie nach langem Warten in Einsamkeit und Trauer.